
Matthias Weckmann hat vermutlich im Zusammenhang mit der Erlangung des Bürgerrechtes im Domrempter der Jakobikirche Hamburg das Recht bekommen, mit seinem Collegium Musicum jeden Donnerstag »die besten Sachen aus Venedig, Rom, Wien, München, Dresden &c.« aufzuführen, so hat es Johann Mattheson 1713 überliefert. Eine Art Konzertreihe für alle Gesellschaftsschichten, bei der neben ambitionierten Laien – gemessen an den technischen Herausforderungen der Werke – auch hochprofessionelle Musiker auftraten.
Der Jakobi-Organist komponierte 1663 zehn Sonaten für eben dieses Collegium Musicum für Zink, Violine, Posaune, Dulzian und Orgel, nach dessen Vorbild sich das Weckmann-Consort gründete, mit dem Ziel seine Sonaten zu spielen und die hochvirtuosen Spieltechniken der historischen Instrumente wiederzubeleben.
Musiker sind und waren schon immer ein recht charmantes und reiselustiges Völkchen. Und überhaupt waren und sind wir oft recht lustig … Wie wenig sich das im Laufe der letzten drei bis vier Jahrhunderte geändert hat, zeigen wir Ihnen in diesem Programm, das sich nämlich ganz der Verehrung holder Damen widmet.
Vom Münchner Hof im 16. Jahrhundert ausgehend, zelebrieren wir diese klingenden Charmeoffensiven, indem wir nachzeichnen, wie etwa der aus Flandern stammende Münchner Kapellmeister Orlando di Lasso damals nach Italien reiste, um sich von dortigen Komponisten inspirieren zu lassen, wie er norddeutsche, spanische, englische Komponisten dort traf, ihre Werke kennenlernte oder das ihrige später mit dem seinigen inspirierte. Und dabei zeigen wir, wie Lasso und seine Kollegen all diese internationalen Inspirationen in ihrem jeweils eigenen Stil in reizende Lieder und Instrumentalstücke der Freude, des Begehrens, der Anbetung oder des Schmerzes umsetzten, um geliebte Damen wahlweise zu preisen oder wegen ihrer Untreue zu verfluchen.
Kommen Sie also mit uns auf diese Reise und erfahren Sie, mit welch enormem kompositorischen Aufwand und wie lustig, ernst, virtuos, verspielt, kreativ man sich damals an die jeweiligen Angebeteten zu wenden pflegt — Lerneffekte für die Herren im Publikum inklusive und durchaus erwünscht!
Johanna Ludwig – Gesang