Intimer Bach

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Johann Sebastian Bach: Cembalowerke – Lea Suter, Clavichord

Intimer Bach


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel

Lea Suter nutzt die außergewöhnliche Ausdruckskraft des Clavichords, um prominente Klavierwerke J. S. Bachs in neue klangliche Tiefen zu führen.

Mit ihrer 2025 beim Label MDG erschienenen Einspielung von Cembalowerken Johann Sebastian Bachs legt die Clavichordistin Lea Suter ein ebenso konsequentes wie klanglich eigenständiges Album vor. Im Zentrum steht das Clavichord als bewusst gewähltes Ausdrucksinstrument, das Bachs Musik in eine radikal intime Hörsituation überführt.

Das Programm mit der Chromatische Fantasie und Fuge d-Moll BWV 903, der Partita e-Moll BWV 830 sowie der Chaconne in d-Moll zeigt bekannte Werke in einem neuen Licht. Statt äußerer Virtuosität dominiert eine rhetorisch zugespitzte, fast sprechende Klanggestaltung, die auf feinste dynamische Nuancen und affektive Übergänge setzt. Gerade das Clavichord zwingt zu maximaler Kontrolle – und eröffnet dadurch eine ungewöhnliche emotionale Verdichtung.

Lea Suter nutzt diese Möglichkeiten mit großer Sensibilität. Ihr Spiel wirkt stark auf innere Bewegung konzentriert, wobei besonders die Chromatische Fantasie durch improvisatorische Unmittelbarkeit beeindruckt. Gelegentlich geraten Tempodehnungen an die Grenze des Formentfaltung, was nicht immer zwingend und eingängig erscheint.

Die klangliche Umsetzung durch das Label MDG ist hervorragend gelungen: Die enorme Feinheit des Clavichords wird transparent eingefangen, ohne seine natürliche Räumlichkeit zu verlieren. Insgesamt präsentiert Lea Suter eine Aufnahme von hoher konzeptioneller Geschlossenheit, die Bachs Musik weniger als monumentales Repertoire denn als intime, unmittelbar sprechende Klangrede erfahrbar macht.

Kurzkritik von Dr. Kai Marius Schabram, 19.06.2026

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